Ektoparasiten

Bekämpfung von Ektoparasiten bei Hunden und Katzen

nach ESCCAP-Empfehlung (http://www.esccap.ch/2-uploads/praxis/ESCCAP-empf-ektoparasiten.pdf)

Ektoparasiten sind Parasiten, die auf der Haut leben und sich von Blut oder Hautpartikel ihres Wirtstieres ernähren. Sie sind deshalb unerwünscht, da sie einerseits starke Hautveränderungen oder Allergien (zB. Flohspeichelallergie) hervorrufen können und anderseits Krankheitsüberträger für schwere Infektionskrankheiten sind. Die Hautveränderungen können durch Sekundärinfketionen mit Bakterien oder Hefepilzen (Malassezia spp.) verschlimmert werden. Blutsaugende Ektoparasiten können zusätzlich zu einer starke Anämie (Blutarmut) führen. Viele der Ektoparasiten wandern vom Haustier zum Mensch und lösen beim ihm die gleichen ernsthaften Probleme aus.

Für die Schweiz relevanten Ektoparasiten sind Flöhe, Zecken, Läuse, Haarlinge, Sandmücken und Stechmücken.

Unsere Medikamente können sowohl therapeutisch oder prophylaktisch eingesetzt werden. Das heisst, sie vermögen einen vorhandenen Ektoparasitenbefall zu beseitigen und/oder einen neuen Befall zu verhindern. Die verschiedenen Therapeutikas unterscheiden sich in Wirkdauer, Art der Anwendung und Breite der Wirkung. Nasses Fell kann die Wirkungsdauer beträchtlich herabsenken.

Übersicht zu Ektoparasiten und deren übertragenden Erregern:

Die wichtigsten Ektoparasiten im Detail:

Flöhe

Das Risiko auf einen Flohbefall ist im Sommer und Herbst am höchsten. Ein Flohkamm hilft eine frühzeitige Erkennung eines Befalls (Auffinden von Flohkot).

Um die Elimination der adulten Flöhe inklusive ihren Entwicklungsstadien (Eier, Larven, Puppen) zu garantieren, braucht es eine wiederholte Anwendung inklusive Umgebungsbekämpfung und Behandlung aller in Kontakt stehenden Tiere. Die Umgebungsbekämpfung besteht aus täglichem Absaugen und Waschen von Liegeplätzen und Teppichböden inkl. Einsatz eines Pestizids, da beim Staubsaugen nicht alle Flohstadien erfasst werden können. Die Staubsaugerbeutel sollten in zugebundenen Plastikbeutel über den Hausmüll entsorgt werden.

Flöhe sind flügellose blutsaugende hüpfende 1-6mm lange Insekten. Sie sind weit verbreitet und ein Flohbefall tritt relativ häufig auf. Auf dem Wirt befinden sich normalerweise nur adulte Stadien. Flohstiche können Juckreiz verursachen und bei massive befallenen Tieren kann es zu einer Anämie kommen. Flöhe können ausserdem Rickettsien oder Bartonellen auf die Katze übertragen. Beim Hunde dienen sie als Zwischenwirt für den Bandwurm Dipylidium canium. Flöhe können auch leicht von Tier auf Mensch übergehen, da sie nicht wirtsspezifisch sind und beim Mensch ebenfalls beispielsweise Bartonellen übertragen.

Die Entwicklung vom Ei zum adulten Floh dauert unter idealen Bedingungen (im Haus drin) 3-4 Wochen, kann aber unter schlechten Bedingungen (im Winter draussen) 4-5 Monate dauern. Nur die adulten Flöhe befinden sich auf dem Tier. Dort saugen sie Blut und legen ihre Eier (20-50 Stück pro Tag pro Floh). Die Eier fallen vom Wirtstier in die Umgebung, wo dann die Larven bereits nach wenigen Tagen schlüpfen. Die Larven ernähren sich von Hautschuppen und Floheiern und entwickeln sich über drei Larvenstadien. Sind die Larven ausgewachsen, spinnen sie ein Kokon und verpuppen sich. Dieses Kokon kann allen harten Umgebungen (inkl. Pestizidbehandlung) trotzen und so bis zu 6 Monate überleben. Das Schlüpfen des adulten Flohs aus dem Kokkons wird durch Vibration (z.B. das Laufen eines Wirts) oder Wärme (z.B. Körperwärme eines Wirts) ausgelöst. Ein geschlüpfter Floh muss innerhalb wenigen Tagen einen Wirt finden, um zu überleben. Grundsätzlich ist eine direkte Übertragung adulter Flöhe möglich, vor allem bei eingem Kontakt der Tiere. Häufiger kommt es aber zur Kontamination der Umgebung mit Eiern.

Zecken

Zecken sind temporäre Blutsauger. Eine Blutmalzeit dauert je nach Entwicklungsstadium der Zecke 2-10 Tage. Werden Zecken auf einem Tier entdeckt, sollten diese umgehend entfernt werden, um eine potentielle Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. In der Regel dauert es 48 Stunden, bis eine Erregerübertragung stattfindet, da der Erreger nicht sofort in Speichel der Zecke gelangt. Zur Entfernung einer Zecke sollte eine Zeckenzange oder Pinzette verwendet werden und sie nicht von blosser Hand herausziehen, damit sie nicht zerquetscht wird und dadurch die möglichen Krankheitserrger überträgt. Auch dürfen keine Öle, Alkohole, Klebstoffe oder Nagellackentferner verwendet werden, da ansonsten die Zecke erbricht und die möglichen Krankheitserreger damit sofort ins Tier hinein erbrochen werden. Mit dem Instrument soll die Zecke nahe an der Haut erfasst werden und gerade herausgezogen werden (nicht drehen). Bleibt der Kopf drin stecken, ist die kein Problem, die Haut wird ihn in den nächsten Tagen herausschaffen. Es empfiehlt sich danach ein Ektoparasitikum zu verwenden, da ev. nicht alle Zecken gefunden werden konnten und das Tier sich immer wieder anstecken kann.

Zecken kommen va. im Frühling, Frühsommer und Herbst vor. Prädilektionsstellen sind dünn behharte Körperpartien, wie Kopf, Ohren, Achseln, Interdigitalspalt (Pfote), Inguinal- und Perianalbereich. Ein durch Zecken verursachende Wunde kann sich auch zu einer lokalen Entzündung führen. Sehr selten führen sie zu einer Anämie. Aber am wichtigsten zu wissen ist, dass sie viele gefährliche Krankheitserreger übertragen. Ua. Babesia spp., Borrelia burgdorferi, Acanthocheilonema spp., Bartonella spp., Ehrlichia spp., Anaplasma phagocytophilum, Rickettsia spp., Flaviviren. Eine Zecke kann mehrere Erreger beherbergen. In unserer Region sind über 90% der Zecken mit Borrelia burgdorferei infiziert. Auch ist die Zeckenpopulation sehr hoch bei uns. Deshalb empfehlen wir in unserer Region eine ganzjährige prophylaktische Anwendung eines Ektoparastikias mit repellierender Wirkung inklusive einer regelmässigen Zeckenuntersuchung durch den Besitzer.

Katzen sind von zeckenübertragenen Krankheiten offenbar weniger betroffen als Hunde. Für Hunde empfehlen wir ebenfalls die Borrelioseimpfung. Lesen Sie dazu mehr bei unseren Impfempfehlungen.

Lebenszyklus einer Zecke:

Läuse und Haarlinge

Läuse kommen beim Hund, aber nicht bei der Katze vor. Sie saugen Blut, können Anämie verursachen und die Haut direkt schädigen und zu Sekundärinfektionen führen. Haarlinge kommen bei Hunden und Katzen vor. Sie besitzen kauend-beissende Mundwerkzeuge und ernähren sich von Hautstückchen. Der Hundehaarling fungiert als Zwischenwirt für den Bandwurm Dipylidium canium.

Bei Läuse- oder Haarlingsbefall müssen Hunde und Katzen mit einem entsprechend wirksamen Insektizid behandelt werden. Zusätzlich muss eine Umgebungsbekämpfung vorgenommen werden, indem Liegedecken, Bürsten, Halsbänder und Geschirr regelmässig gewaschen werden, das Läuse und Haarlinge begrenzte Zeit in der Umgebung überleben können. Läuse und Haarlinge sind wirtsspezifisch und übertragen sich nicht auf den Menschen.

Im Gegensatz zum Floh, verbringen sie ihr ganzes Leben auf dem Wirt. Adulte Weibchen legen Eier (=Nissen genannt) und kleben diese an Haarschäfte. Sie legen zwischen 30-60 Eier während ihres Lebens. Nach Eiablage schlüpfen nach 1-2 Wochen Larven. Nach drei Häutungen haben sie das Adultstadium erreicht. Der ganze Zyklus dauert 3-6 Wochen. Eine Übertragung vom einen Tier aufs andere erfolgt via direkten Kontakt oder indirekt via Bürste oder Schlafplatz etc.

Sandmücken (Phlebotomen)

Die Sandmücke überträgt in Südeuropa den Leishmaniose-Erreger auf den Hund. In der Schweiz (va. Tessin) kommt die Sandmücke inzwischen auch vor, gibt aber noch keine Hinweise für eine einheimische Übertragung von Leismania infantum. Mehr zu dieser Erkrankung finden Sie weiter unten.

Reist ihr Hund mit nach Südeuropa, sollte der Kontakt zu Sandmücke möglichst vermieden werden, indem der Hund während der Dämmerung im Haus bleibt, wo Fenster und Türen mit einem Mückennetz versehen sind. Zur Behandlung und/oder Prophylaxe empfiehlt es sich ein Insektizid mit repellierender Wirkung zu nehmen. Die Behandlung (SpotOn oder Halsband) sollte mindesten 24 Stunden vor Abreise in ein Endemiegebiet erfolgen und während des Aufenthalts aufzufrischen.

Stechmücken

Viele verschiedene Stechmückenarten können in Endemiegebieten (Mittelmeerregion) Dirofilaria immitis (Herzwurm), Dirofilaria repens (kutane Dirofilariose) und viele Viren übertragen. Zur Behandlung bzw. Prophylaxe empfiehlt es sich ein Anthelminthikum zu verwenden und sich nicht alleine auf das Insektizid gegen Stechmücken verlassen.

Infos zu Leishmaniose

(Leishmaniose)

Die Leishmaniose wird in Europa durch mikroskopisch kleine Einzeller namens Leishmania infantum hervorgerufen, die durch den Stich der Sandmücke auf den Hund übertragen wird. Die Sandmücke (Phlebotomen) ist dämmerungsaktiv, 2,5-3mm grosse behaarte Mücke, die nicht summt. Sie kommt in den Tropen und Subtropen vor, aber auch in vielen mediterranen Ländern (insbesondere in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Türkei, Israel, Marokko usw.) Sie gehört zu den häufigsten diagnostizierten Reiseerkrankungen beim Hund. Eine Infektion verläuft in über die Hälfte der Fälle asymptomatisch ab. Diese Hunde bleiben als Infektionsquelle lange unerkannt. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Anzeichen von ersten Symptomen) beträgt 1 Monat bis einige Jahre. Einige Tiere erkanken gar nicht andere zeigen unterschiedliche Symptome: Abgeschlagenheit, Abmagerung, Lymphknotenschwellung, schuppige Hautveränderungen (meist Kopfbereich), Haarausfall übermässige Verhornung (Nasenspiegel, Pfotenballen), übermässiges Krallenwachstum, Fieber, Lahmheit, Nierenversagen, ua. Eine Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung (Leishmanien-Antikörper-Nachweis) im Labor. Der Krankheitsverlauf kann sich über mehrer Jahre erstrecken und kann trotz Behandlung tödlich enden. Deshalb sind prophylaktische Massnahmen sehr wichtig:

  • Fenster und Türen von Räumen in Endemiegebieten, in denen Hunde untergebracht sind, sollten mit engmaschigen Mückennetzen gesichert werden.
  • Einsatz von Insektiziden mit Geruchswirkung (sogenannte Repellentien) während dem ganzen Aufenthalt wird empfohlen. Diese gibt es als Spot-On (Schutz 2-4 Wochen) oder Halsband (Schutz 5-6 Monate). Wichtig ist, dass bis eine Woche vor Reiseantritt mit der Behandlung begonnen wird und während dem Aufenthalt regelmässig aufgefrischt wird.
  • Es gibt eine Impfung (CaniLeish®) für seronegativ-getestete Hunde ab einem Alter von 6 Monate. Die Grundimmunisierung beinhaltet 3 Impfungen im Abstand von 3 Wochen und muss mindestens 10 Wochen vor Reiseantritt in ein endemisches Gebiet begonnen werden. Die Impfwirkung hält 12 Monate an.

Durch zunehmende Reiseaktivität und Hundeimporte, hat die Leishmaniose auch in der Schweiz (va. Tessin) an Bedeutung gewonnen. Der Klimawandel führt ausserdem dazu, dass Sandmücken inzwischen auch bei uns heimisch werden. Ist Ihr Hund nachgewiesen infiziert, sollten sie deshalb während der Mückensaison zwingend eine Mückenprophylaxe (Halsband oder Spot-On) einsetzen, damit er keine Infektionsquelle für andere Hunde darstellt. Ist ihr Hund an Leishmaniose erkrankt, kann mit Medikamenten ein besserer klinischer Zustand erreicht werden. Daneben kann eine Diät mit mässigem Proteingehalt hilfreich sein. Eine Elimination der Erreger ist aber nicht möglich und ein Ausbruch ist jederzeit wieder möglich.